{"id":969,"date":"2013-06-06T10:38:29","date_gmt":"2013-06-06T08:38:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=969"},"modified":"2018-05-22T09:26:39","modified_gmt":"2018-05-22T07:26:39","slug":"aus-sicht-des-fahrers-der-strasenverkehr-in-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=969","title":{"rendered":"Aus Sicht des Fahrers: Der Stra\u00dfenverkehr in China"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Text und Filme: Hans-Peter Christoph<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In China haben Kleinst\u00e4dte oftmals 300 000, 500 000 oder eine Million Einwohner. Yinning, Turfan, Hami, Jiayuguan, Zhangye oder jetzt Kaifeng sind solche &#8222;Kleinst\u00e4dte&#8220; entlang unserer Route. Ein Ort in der Gr\u00f6\u00dfe Freiburgs w\u00e4re mittleres Dorf. Mittelgro\u00dfe St\u00e4dte sind Urumqi oder Lanzhou mit drei bis vier Millionen. Xi&#8217;an mit etwa acht Millionen ist die erste &#8222;richtige&#8220; Gro\u00dfstadt Chinas auf unserem Weg nach Shanghai.<\/p>\n<p>Einfahrt nach Kaifeng, eine typische Kleinstadt mit 800 000 Einwohnern. Mit maximal 35 km\/h rollen wir die sechsspurige Stra\u00dfe entlang. Keiner dr\u00e4ngelt, viele fahren auch nur 15, 20 oder 30 km\/h. Welche Spur man dabei benutzt scheint egal zu sein. Das bedeutet, dass manche auf der linken Spur mit 20 bis 30 entlangzockeln, andere schleichen auf der rechten Spur, und manche auf der mittleren. Autos, LKWs, Linienbusse, Lieferwagen, Roller, dreir\u00e4drige Mopeds und Elektrofahrr\u00e4der, jeder f\u00e4hrt, wo er will und egal mit welchem Tempo. Um unsere Geschwindigkeit von etwa 35 bis 40 halten zu k\u00f6nnen, nutzt Stefan s\u00e4mtliche Spuren, genauso wie es die Chinesen machen, die ebenfalls zu den schnelleren geh\u00f6ren. So gestaltet sich unsere Einfahrt zu einer gem\u00fctlichen Slalomfahrt um geringf\u00fcgig langsamere Verkehrsteilnehmer. Manchmal kommt uns auf unserer Spur auch ein Fahrzeug entgegen. Aber niemanden k\u00fcmmert das, man weicht eben aus, dr\u00e4ngelt ein bisschen nach links oder nach rechts und setzt daf\u00fcr die Hupe ein. Alle machen das so. Der Verkehr gleicht einem tr\u00e4gen Fluss. Die einzigen Strudel darin sind die Kreuzungen. Denn um nach links abzubiegen, wartet man nicht den Gegenverkehr ab, sondern bremst ihn aus &#8230;<\/p>\n<p>Einfahrt nach Xi&#8217;an. Das S\u00fcdtor bildet ein Nadel\u00f6hr bei der Einfahrt. Nicht mehr f\u00fcnf bis sechs Spuren stehen unserer Richtung zur Verf\u00fcgung, am S\u00fcdtor verengt sich die Stra\u00dfe auf lediglich drei. Staus sind in dieser Achtmillionenstadt sowieso die Regel. So auch hier. Wie bei uns in Deutschland wird gedr\u00e4ngelt und gedr\u00fcckt. Der einzige Unterschied: Jeder muss mit seiner Hupe auf sich aufmerksam machen, auch im Stand und aus reiner Lebensfreude, und nicht weil Gefahr droht oder man jemanden gef\u00e4hrden will.<\/p>\n<p>Drei Kreuzungen weiter auf der nun vierspurigen Stra\u00dfe m\u00fcssten wir links abbiegen, um direkt zu unserm Hotel zu gelangen. Die Beschilderung macht jedoch unmissverst\u00e4ndlich klar, dass man nur geradeaus oder nach rechts fahren darf. Mitten auf der Kreuzung drei Polizisten, die den Verkehr regeln. Die Polizisten stehen links vor uns mitten in der Kreuzung und winken uns geradeaus. Aber was macht Stefan, ganz Chinese? Er zieht das Rollo des Seitenfensters herunter, damit die Polizisten ihn nicht direkt ansehen k\u00f6nnen, f\u00e4hrt auf der linken Spur an den Polizisten vorbei und zieht dann nach links, den Gegenverkehr ausbremsend \u2026 Der entgegenkommende Linienbus nimmt es gelassen und wartet aus Kollegialit\u00e4t, aber die anderen Autos sind gnadenlos und wollen nicht weichen. Stefan jedoch schiebt sich Zentimeter um Zentimeter weiter in die Kreuzung, bis wir sie zur H\u00e4lfte blockieren und gar nichts mehr geht. Gehupe wie immer und allerorten, einer der Polizisten eilt mit finsterer Mine herbei, stutzt, als er die fremde Autonummer sieht und den langnasigen Herrn am Steuer. Auf einmal geht ein L\u00e4cheln \u00fcber sein Gesicht &#8211; mit erhobener Hand und wildem Trillerpfeifen bringt er den Gegenverkehr zu Stehen. Stefan hat freie Fahrt, der Polizist winkt, Stefan l\u00e4sst sein Rollo hoch und winkt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Autobahn zwischen Xi&#8217;an und Kaifeng. Morgens um 11 Uhr, sonnig, Temperaturen um die 33 Grad, viele LKWs, die oft, aber nicht immer die rechte Spur nutzen. Einige fahren auch stundenlang auf der linken Spur. Gerne mit 60 km\/h, oft und gerade an Steigungen auch wesentlich langsamer. Niemand regt sich auf, man \u00fcberholt einfach rechts. Auch viele PKW-Fahrer fahren gerade so, wie es ihnen in den Sinn kommt. Oder in den Unsinn. Auf der \u00dcberholspur schleichen sie mit 70 dahin, obwohl die rechte Spur frei und nichts zu \u00fcberholen ist. Andere dagegen ziehen mit 120 auf dem Standstreifen vorbei, wenn ihnen der Verkehr auf den beiden Normalspuren zu langsam ist. Oder sie halten auf dem Standstreifen an, um breitbeinig Wasser zu lassen und anschlie\u00dfend aus dem Stand gleich auf die \u00dcberholspur zu ziehen, obwohl sie noch nicht einmal auf 30 beschleunigt haben. Blind und geh\u00f6rlos sitzen auch andere am Steuer, manche machen offensichtlich ihre ersten Fahrversuche \u2013 nat\u00fcrlich ohne Fahrlehrer. So einer ist es auch, der Stefan zur Vollbremsung zwingt, als er mit h\u00f6chstens 30 Stundenkilometern auf der rechten Spur schleichend unvermittelt auf die linke Spur wechselt, genau in dem Augenblick, als Stefan mit den erlaubten 100 nahezu auf seiner H\u00f6he ist. Gut, dass wir angeschnallt sind, gut auch, dass der Blinde auch nicht h\u00f6ren kann, wie die Businsassen sein Fahrverhalten beurteilen. So haben wir t\u00e4glich die tollsten Erlebnisse, auch im Verkehr. Wobei wir trotzdem alles in allem im Vergleich zu 2008 und 2010 bereits eine enorme Verbesserung feststellen. Ganz im Ernst! Und so schnell, wie China sich entwickelt, d\u00fcrften wir auf der n\u00e4chsten Reise sicher schon auf portugiesische Verh\u00e4ltnisse treffen. \u00dcber die k\u00f6nnte Christian schreiben, der uns die erste Etappe bis Almaty gefahren hat und jetzt am Samstag wieder einmal nach Portugal kommt,. Gell, Christian? Gibt es da auch Fortschritte?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr-5.mov\">Verkehr 5,<\/a> <a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr-7.mov\">Verkehr 7<\/a>, <a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr-6.mov\">Verkehr 6,<\/a> <a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr.mov\">Verkehr,<\/a> <a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr-2.mov\">Verkehr 2,<\/a> <a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr-3.mov\">Verkehr 3,<\/a> <a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Verkehr-4.mov\">Verkehr 4<\/a><\/p>\n<p>Anmerkung der Redaktion: Wer sich f\u00fcr die Anekdote aus Portugal interessiert, schaut <a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.avantireisen.de\/nl\/12_2012\/\" target=\"_blank\">hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Filme: Hans-Peter Christoph In China haben Kleinst\u00e4dte oftmals 300 000, 500 000 oder eine Million Einwohner. 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