{"id":386,"date":"2013-04-25T17:58:17","date_gmt":"2013-04-25T15:58:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=386"},"modified":"2018-05-22T09:29:49","modified_gmt":"2018-05-22T07:29:49","slug":"ein-abend-in-einer-iranischen-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=386","title":{"rendered":"Ein Abend in einer iranischen Familie"},"content":{"rendered":"<p>Text und Fotos\u00a0von Jogi Meyer-Sieger<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Familienbesuch-in-Tehran-CIMG03511.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-729\" alt=\"Familienbesuch in Tehran CIMG0351\" src=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Familienbesuch-in-Tehran-CIMG03511-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Familienbesuch-in-Tehran-CIMG03511-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Familienbesuch-in-Tehran-CIMG03511.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/CIMG0357-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-730\" alt=\"CIMG0357-001\" src=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/CIMG0357-001-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/CIMG0357-001-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.busweltreise.de\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/CIMG0357-001.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aufgeregt war ich schon, als ich in der Vorhalle unseres Hotels in Teheran auf die Verwandten eines Freiburger Freundes wartete &#8211; zum einen kannte ich diese Leute gar nicht, zum anderen war schon eine 3\/4 Stunde seit dem vereinbarten Zeitpunkt vergangen. Aber wie deus ex machina erschien Reza und beruhigte mich : telefonisch sei er soeben informiert worden, dass man lediglich im Stau der 17 Mill. Metropole stecke, was mich auch wieder daran erinnerte, dass die Uhren im Orient eben anders gehen als bei uns.<\/p>\n<p>Endlich &#8211; ein \u00e4lterer Herr sah sich fragend an der Rezeption um und entpuppte sich auf meine Nachfrage hin als mein Ansprechpartner Mostafa, der Vater meines Freundes. Er kam in Begleitung seines Sohnes, seines Schwiegersohnes und eines Neffen &#8211; gro\u00dfer Bahnhof!<\/p>\n<p>Los geht&#8217;s- in einem schicken Mittelklassewagen, aber bei dem Verkehr ist mehr als <i>stop and go<\/i> nicht m\u00f6glich. So k\u00f6nne wir uns im Auto schon mal vorstellen, und nach dem \u00fcblichen small talk entwickelt sich rasch ein erstaunlich herzliches, informatives und humorvolles Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Die Fahrt geht bergauf zum Baam Tehran, dem &#8222;Dach von Teheran&#8220;, einem Aussichtspunkt auf 1800m H\u00f6he am Fu\u00dfe der Schneeberge mit Skilaufm\u00f6glichkeiten am Gipfel der Dreieinhalb- Tausender. Zun\u00e4chst m\u00fcssen wir am Parkplatz in einen Bus umsteigen, der uns weiter nach oben bringt. Im Bus dann die erste \u00dcberraschung: keine Trennung von M\u00e4nnlein und Weiblein wie in den Verkehrsmitteln im inneren Stadtbereich, und eine Stimmung wie nach dem Oktoberfest- viele singen, und rhythmisches Klatschen soll dem Fahrer eine ruhige Hand signalisieren. &#8222;Hier ist eben nicht Stadtbereich&#8220;, wird mir auf meine Frage geantwortet, und ich bin noch lange \u00fcber die zahlreichen jungen, fr\u00f6hlichen Menschen angenehm verwundert.<\/p>\n<p>Oben ist es frisch, die D\u00e4mmerung hat eingesetzt, aber der Blick \u00fcber das 800m tiefer liegende H\u00e4usermeer ist grandios, wenn auch mit dem Foto nicht mehr gut zu erfassen.<\/p>\n<p>Hin und wieder klingelt ein Telefon der Begleiter: die Ehefrauen warten zuhause mit dem gerichteten Abendessen. Also zur\u00fcck mit Bus und Auto durch den etwas gelichteten Autoverkehr.<\/p>\n<p>Wir kommen in eine sch\u00f6ne Wohngegend, ein Garagentor \u00f6ffnet sich elektrisch zum Innenhof von Mostafas Haus, der im Erdgescho\u00df mit seiner Frau lebt, die Tochter und ihr Ehemann wohnen mit der 13j\u00e4hrigen Parmi im 1. Stock.<\/p>\n<p>Hinter den Fenstern schauen erwartungsvoll und winkend viele weibliche Gesichter, und keine der Damen hat ein Kopftuch an! Vor der Wohnungst\u00fcr hei\u00dft es Schuhe ausziehen und in die Gastsandalen schl\u00fcpfen, dann stellt mich Saeid, der gut englischsprechende Neffe, der Familie bzw. den Ehefrauen und den weiteren T\u00f6chtern Parmida, 10 J., und Tina ,6J, vor : ich darf den Frauen die Hand geben, was in der \u00d6ffentlichkeit \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich ist, und auch die schicke Kleidung der jungen Frauen und das ausdrucksstarke Make-up imponiert. Aber noch mehr bin ich \u00fcber die herzliche Begr\u00fc\u00dfung \u00fcberrascht! Alle freuen sich \u00fcber den Besuch, ich muss auf dem Sofa Platz nehmen vor einem Glastisch, der mit zahlreichen Fr\u00fcchten, Keksen, N\u00fcssen und Obst dekoriert ist &#8211; das soll alles f\u00fcr mich sein? Und wie kann ich gleichzeitig essen, Tee trinken und die zahlreichen Fragen beantworten? Gemach .. bedeutet mir Saeid , der sprachgewandte Wortf\u00fchrer, der auch f\u00fcr die meisten der Anwesenden ins Persische \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Endlich kann ich das gro\u00dfe Fotobuch, das mir der Freiburger Freund mit Bildern seiner und der persischen Familie &#8211; aus fr\u00fcheren Zeiten- mitgegeben hat, dem Vater Mostafa \u00fcbergeben, und alle st\u00fcrzen sich mit Begeisterung auf die Bilder. Mostafa kann aus seiner Zeit in Deutschland vor ca 20 Jahren noch etwas Deutsch, und einige verstehen etwas Englisch, so geht die Unterhaltung erstaunlich problemlos und ohne Missverst\u00e4ndnisse. Bis auf die Tatsache der anstehenden Wahlen in 6 Wochen lassen wir die Politik beiseite, wir haben ja auch so genug zu erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p>Auch ich muss Bilder meiner Familie mit Ehefrau, den drei Kindern und dem Enkel Luis zeigen, der ja, wie Insidern bekannt ist, von jedem neuen Ort meiner zahlreichen Reisen eine Ansichtskarte bekommt. So unterschreiben denn auch alle je eine Karte mit einem Gru\u00df an Luis und an Mostafas Sohn mit Familie in der N\u00e4he von Freiburg.<\/p>\n<p>Mashim, Mostafas Frau, hat persisch gekocht und bittet zum Essen. Ein Wohnzimmertisch ist- zun\u00e4chst &#8211; f\u00fcr die M\u00e4nner bestimmt, alle Gerichte (Safranreis, Fesenjan- Fleischb\u00e4llchen und H\u00e4hnchen in Nu\u00dfso\u00dfe- sowie eine Lasagneart nebst kle\u0131ngew\u00fcrfeltem gem\u0131schtem Salat ) stehen auf d\u0131esem T\u0131sch, und nachdem der Gast von allem genommen hat, gre\u0131fen auch d\u0131e anderen zu- d\u0131e Frauen und M\u00e4dchen sitzen jedoch in einer offenen K\u00fcche, an einem eigenen Tisch, aber\u00a0 ganz nah dabei, so dass ein fr\u00f6hliches Geschnatter hin und her m\u00f6glich ist. Und siehe: bald ergibt sich auch eine wechselnde, gemischte Tischordnung an beiden Tischen &#8211; ganz wie bei uns im Avantibus die Sitzpl\u00e4tze jeden Morgen problemlos neu besetzt werden!<\/p>\n<p>Als ich schon mehr als satt bin, wird mir noch ein Teller mit Joghurt und T\u00f6rtchen und Obst gereicht &#8211; \u00a0es geht nichts mehr, auch kein, nat\u00fcrlich alkoholfreies, Bier mehr, nur noch ein kleiner Tee zum Abschluss.<\/p>\n<p>Bevor die Kinder zu Bett gebracht werden (f\u00fcr meine Begriffe v\u00f6llig problemlos), m\u00fcssen nat\u00fcrlich noch die Familienfotos gemacht werden- jeder mit Jogi und ein Bild gemeinsam, und dabei wird viel gelacht (die Familienbilder stelle ich aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden nicht ins Netz).<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich kommt ein Tablett mit Geschenken: Pistazien f\u00fcr Freiburg und f\u00fcr mich, S\u00fc\u00dfigkeiten in allen Formen und Kartonagen und Obstpakete! Mit M\u00fche erkl\u00e4re ich, dass das Koffergewicht bei meinem R\u00fcckflug von Almati nach Freiburg begrenzt ist, so muss ich versprechen, beim n\u00e4chsten Besuch den Rest der Geschenke mitzunehmen.<\/p>\n<p>Und auf einmal zaubert eine der Ehefrauen eine Telefonverbindung nach Freiburg. Bei mir zuhause sprechen wir einen Gru\u00df auf den Anrufbeantworter, bei Mostafas Sohn ist nur die kleine Tochter da, der wir Gr\u00fc\u00dfe ausrichten und die dann noch ganz r\u00fchrend einige Worte mit ihrem Gro\u00dfvater spricht.<\/p>\n<p>Vor dem Heimweg muss ich auch noch ausf\u00fchrlich \u00fcber unsere Reise, die \u00dcbernachtungen und\u00a0 mit Hilfe der mitgenommenen gro\u00dfen Stra\u00dfenkarte \u00fcber unsere Route berichten.<\/p>\n<p>Der Abschied naht: meine Bitte um Bestellung eines Taxis wird kategorisch abgelehnt, ich bin beim Verabschieden von jeder Person sehr bewegt und nehme viele Gr\u00fc\u00dfe nach Freiburg und Umgebung mit . .. \u00a0Auf dem &#8211; verkehrsm\u00e4\u00dfig jetzt ruhigen &#8211; Transport zum Hotel werde ich nachdenklich: in den letzten 5 Stunden habe ich eine Seite vom Iran mit seinen Menschen kennen gelernt, die ich so mit dieser Herzlichkeit und Offenheit nicht erwartet hatte. Ich bin dankbar, dass mir das durch den Kontakt mit den Freunden in Freiburg und Umgebung erm\u00f6glicht wurde!\u00a0\u00a0 In ein paar Stunden geht\u2019s schon weiter nach Isfahan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Fotos\u00a0von Jogi Meyer-Sieger \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 Aufgeregt war ich schon, als ich in der Vorhalle unseres Hotels in Teheran auf die Verwandten eines Freiburger Freundes wartete &#8211; zum einen kannte ich diese Leute gar nicht, zum anderen war schon eine 3\/4 Stunde seit dem vereinbarten Zeitpunkt vergangen. Aber wie deus ex [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[2],"tags":[273,272,271,270,36],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/386"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=386"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":727,"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/386\/revisions\/727"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}