{"id":2086,"date":"2014-01-08T18:46:27","date_gmt":"2014-01-08T16:46:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=2086"},"modified":"2018-05-22T09:23:02","modified_gmt":"2018-05-22T07:23:02","slug":"blog-von-wolfram-goslich-no-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=2086","title":{"rendered":"Blog von Wolfram Goslich No.3"},"content":{"rendered":"<p><b><i>First exit Ushuaia<\/i><\/b><\/p>\n<p>Das Ziel der Busweltreise wird zuerst auf den gr\u00fcnen Hinweisschildern sichtbar\u00a0 &#8211; Ushuaia 524 Kilometer.<\/p>\n<p>Bis \u00fcber das Dach mit Schlamm eingesaute Autos, so richtig mit Expeditionspatina, die uns entgegenkommen, geben uns einen Vorgeschmack auf die letzte Etappe, das bevorstehende Ende der Reise bekommt ein Gesicht, Feuerland mit seinen knallgr\u00fcnen Weidefl\u00e4chen, knallrote Farbkleckser mittendrin sind hin und wieder die D\u00e4cher der einsamen Bauernh\u00f6fe, dann von Flechten \u00fcberzogene, gro\u00dfe B\u00e4ume, in den T\u00e4lern der gewaltigen Bergkette, die vor Ushuaia liegt, sind es undurchdringliche Urw\u00e4lder, dazwischen S\u00fcmpfe, abgestorbene Baumriesen und gro\u00dfe Schneefelder unterhalb der steil aufragenden Gipfel.\u00a0Nat\u00fcrlich zwingt uns wieder ein Checkpoint am Stadtrand von Ushuaia, anzuhalten, diesmal steigen wir alle aus, um vor dem Holzturm auf dem in riesigen Lettern der Name der Stadt steht, mit eiskaltem Sekt anzusto\u00dfen.\u00a0Das gef\u00e4llt der diensthabenden Gendarmin gar nicht, die sich beschwert, dass alle einfach auf der Stra\u00dfe herumlaufen und Fotos machen und droht mit Konsequenzen. Mit Weltreisecharme k\u00f6nnen wir sie bes\u00e4nftigen und sie beobachtet mit immer noch mi\u00dftrauischem Blick das Geschehen um sie herum.<\/p>\n<p>Und dann Ushuaia! Was f\u00fcr ein liebenswertes Chaos. Nicht das von den meisten erwartete d\u00fcstere Kaff am Ende der Welt, wo der Wind um die Ecken pfeift, ein paar Fischer in Containern hausen und sich abends in der einzigen Kneipe mit patagonischem Bier volllaufen lassen.\u00a0Ein buntes H\u00e4usergewirr, mit viel Phantasie gestaltete Erker und Anbauten, gr\u00fcn, lila, knallrot. Und gelb, und\u00a0 &#8211; ein Alptraum f\u00fcr jeden Beamten der Bauaufsicht zwischen Ulm und Unna.\u00a0Die Stadt liegt vor einem gro\u00dfartigen Panorama, das sofort Lust auf ein Foto macht. Ganz einfach, wenn nicht \u00fcberall die f\u00fcr den ganzen Kontinent typischen Freileitungen als grafisches Muster \u00fcber jeder Szenerie liegen w\u00fcrden.\u00a0Hinter den weit verstreuten Siedlungsh\u00e4usern ragen schneebedeckte Berge steil auf, was alpiner aussieht als es ist \u2013 keiner der Berge ist h\u00f6her als 1200 Meter. \u00dcberall wird gebaut, an jeder Ecke irgendein Provisorium, die Stadt ist nicht, sie wird.<\/p>\n<p>Der Containerhafen am \u00f6stlichen Rand der Stadt ist beinahe so gro\u00df wie die ganze Stadt selbst. Im Irish Pub l\u00e4uft angenehme Bluesmusik, viele Backpacker in Outdoor Klamotten, dazwischen Kreuzfahrtg\u00e4ste, die f\u00fcr ein paar Stunden aus ihren schwimmenden Hotelburgen ausgespuckt wurden.\u00a0Verglaste Erker, Holzrahmen, au\u00dfen herum blau oder gelb gestrichene Wellblechplatten, Hunde, die gelangweilt in die Sonne blinzeln, auf einmal nimmt der Wind zu und \u00fcber den Beagle Kanal zieht von Westen eine dunkle Schauerfront heran. Ein paar Minuten sp\u00e4ter Regen wie im Hollywoodfilm, Schauerfahnen ziehen \u00fcber den Hafen, die am Kai geparkten Expeditionsfahrzeuge verschwinden hinter Regenschleiern.\u00a0Nur eine Stunde sp\u00e4ter gl\u00e4nzen H\u00e4user, Schiffe und Stra\u00dfen in der Sonne, Ushuaia \u2013 vier Jahreszeiten an einem Tag.\u00a0Alo Ushuaia \u2013 steht an der kleinen verglasten Box am Hafen. Daneben viele andere, kleine Kabinen \u2013 Telefonieren mit Freunden vom Ende der Welt; das Postamt mit dem begehrten Stempel \u201efin del mundo\u201c hingegen ist geschlossen.<\/p>\n<p>Der kleine Ausflugskatamaran gleitet langsam aus dem Hafen. Dass der Beagle Kanal ein maritimes Gew\u00e4sser ist, merken wir ganz schnell. Schauerb\u00f6en lassen das Wasser ganz dunkel werden, viele kleine Schaumk\u00e4mme und kurze, harte Wellen brechen sich am Schiff. Dunkle schnellziehende Wolken \u00fcber den Gebirgszacken, hat wirklich etwas Dramaturgisches, so stellt man sich das Ende der Welt vor. Kormorane sitzen auf Felsvorspr\u00fcngen auf den kleinen Inseln, Seel\u00f6wen d\u00f6sen vor sich hin und dann wird eine dunkle Nadel auf einem dunklen Felsen sichtbar \u2013 der Leuchtturm Les Eclaireurs, f\u00fcr uns wirklich der s\u00fcdlichste Punkt, den wir nun erreichen.\u00a0F\u00fcr einen Moment rei\u00dft die Wolkendecke auf und die roten und wei\u00dfen Farbringe des Leuchtturms zeichnen sich klar vor der Bergkulisse ab.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Ab jetzt gibt es wiederum nur eine Fahrtrichtung \u2013 nach Norden. Das Morgenlicht leuchtet die dicht bewaldeten Bergt\u00e4ler wundersch\u00f6n aus, die wei\u00dfen St\u00e4mme werden unter dem gr\u00fcnen Bl\u00e4tterdach gut sichtbar. Ohne ein paar Fotostopps geht es nicht!\u00a0<\/span>Vor einer in ganz Feuerland bekannten Panaderia, einer B\u00e4ckerei, wo wir ein paar Snacks kaufen, steht eines dieser in Argentinien beliebten Exemplare von Campingbussen (Mercedes 1114, mit runder Schnauze , Baujahr etwa 1972 \u2013 f\u00fcr die Busfreaks) die aus unserem Stra\u00dfenbild als LKW schon lange verschwunden sind.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Also leckere Empanadas, Sandwichs mit Salami, die so aussieht wie in Italien und auch fast so gut schmeckt und dann zum Nachtisch die Alfajores, runde Waffeln, von dicker Schokolade umh\u00fcllt. Schokoladenl\u00e4den gibt es in ganz Argentinien, in allen Varianten und sehr lecker!\u00a0<\/span>Alles muss allerdings bis zur chilenischen Grenze wieder verzehrt sein, es ist nur ein kurzes St\u00fcck Transit durch Chile aber es d\u00fcrfen keine Lebensmittel eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Nachdem wir die Berge Feuerlands hinter uns gelassen haben, breitet sich die Steppe vor uns aus \u2013 und das nun schon seit Tagen \u2013 \u00fcber 1200 Kilometer. Mal h\u00fcgelig, mal topfeben, ab und zu Guanacos, Strommasten, die sich am Horizont in Fata Morganas riesiger Wasserfl\u00e4chen verlieren. Tankstellen, Schrottpl\u00e4tze( da stehen ganze Automobilmuseen!!), immer wieder Checkpoints, manche wollen Passagierlisten, manche nicht, was auf den Listen draufsteht, ist auch nicht so wichtig, Hauptsache Liste, Hauptsache Papier zum Abheften. Immer nett und freundlich \u2013 und eben doch Polizeistaat!<\/p>\n<p>Am Fenster zieht wieder ein Posten der Gendarmeria Nacional vorbei, auf der gegen\u00fcberliegenden Seite kontrollieren zwei Polizisten einen Kleinwagen, einen Rottweiler an der Leine.\u00a0Schotterpisten gibt es seit Chile nicht mehr. Gut asphaltiert, kaum Schlagl\u00f6cher, breite Landstra\u00dfe und immer Seitenwind und immer von Westen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Heiligabend sind wir in Puerto Madryn direkt am Strand, am Atlantik. Wenig los, ewig breiter Strand, l\u00e4dt zum Laufen ein. Sch\u00f6nes Weihnachtsessen, im Hotel ein paar G\u00e4ste, eine kleine italienische Familie auf Rundreise, ein paar Franzosen und Holl\u00e4nder. Eigentlich ein Abend wie jeder andere.\u00a0<\/span>Mitternacht dann geht\u2019s los, B\u00f6ller und Feuerwerk wie bei uns zu Silvester. Das geht lange bis sp\u00e4t in die Nacht. Am n\u00e4chsten Mittag ist der Strand vor dem Hotel \u00fcberf\u00fcllt mit Badeg\u00e4sten. Familienv\u00e4ter mit dicken K\u00fchltruhen, Windschutzzelte wie bunte Farbtupfer vor der Strandpromenade und fu\u00dfballbegeisterte Jugendliche spielen das runde Leder quer \u00fcber den Strand.\u00a0Die beiden Kreuzfahrtschiffe, die an dem weit ins Meer rausgebauten Anleger lagen, sind wieder weg. Das waren tausende von G\u00e4sten f\u00fcr 2 Tage und sogar eine Zeitungsnotiz in der patagonischen Zeitung Diario Jornada wert.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Die Parkpl\u00e4tze sind voll, einige alte US-Stra\u00dfenkreuzer, stolze Besitzer, die auftauchen, als sie sehen, dass ich Fotos ihrer verblichenen Chromschlitten mache. Renzo erz\u00e4hlt mir, dass sein Ford Falcon von 1971 ist, kaum Probleme macht und nicht mehr als 10-12 Liter verbraucht. Einen Neuwagen kann und will er sich nicht leisten, die anderen Chevys und Fords sind genauso alt aber schon ziemlich runtergekommen.\u00a0<\/span>Was sie alle gemeinsam haben, ist der dunkle Sound von sechs und Achtzylinder Motoren. Ein Sound aus Zeiten, in denen sich niemand vorstellen konnte, dass Detroit heute schon fast verlassen ist.<\/p>\n<p>Und das Wetter? Weiter nach Norden wird es immer w\u00e4rmer, Temperaturen wie bei uns im Juni, tags\u00fcber 24-29 Grad, nachts angenehm k\u00fchl, das wird in wenigen Tagen in Buenos Aires noch ganz anders sein, die Hitzewelle, die der Norden Argentiniens zur Zeit erlebt, dauert noch an und selbst im S\u00fcden, selbst in Feuerland ist es ungew\u00f6hnlich warm f\u00fcr diese Jahreszeit.\u00a0Ein Textblock, der heute schon zum festen Repertoire in Zeitungsredaktionen rund um den Globus geh\u00f6rt, Andres, unser Reiseleiter, Menschen in Ushuaia und auch die Einweiser an der F\u00e4hre \u00fcber die Magellanstra\u00dfe haben uns immer wieder gesagt, dass sie ungew\u00f6hnliche Wetterlagen seit Jahren beobachten.<\/p>\n<p>Der Reisetag ist ideal zum Lesen und Schreiben. Einige unterhalten sich, Kaffeeduft zieht durch die Sitzreihen, irgendwann machen wir wieder eine Pause, die Bilder, die wir links und rechts vorbei ziehen sehen, bieten immer wieder Gespr\u00e4chsthemen. Entspannter kann Reisen kaum sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>First exit Ushuaia Das Ziel der Busweltreise wird zuerst auf den gr\u00fcnen Hinweisschildern sichtbar\u00a0 &#8211; Ushuaia 524 Kilometer. 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