{"id":2085,"date":"2014-01-08T18:37:43","date_gmt":"2014-01-08T16:37:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=2085"},"modified":"2018-05-22T09:23:02","modified_gmt":"2018-05-22T07:23:02","slug":"blog-von-wolfram-goslich-no-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=2085","title":{"rendered":"Blog von Wolfram Goslich No.2"},"content":{"rendered":"<p>Busreisen sind spannend und diese ganz besonders. Die letzten Tage zwischen Bariloche im Westen Argentiniens und den s\u00fcdlichen Anden bis nach El Calafate in der N\u00e4he des ber\u00fchmten Perito Moreno Gletschers sind im Text mit vielen Eindr\u00fccken beschrieben, die nicht immer chronologisch sind und einen Einblick in den Mikrokosmos einer Reise mit dem Luxusbus um die ganze Welt geben.<\/p>\n<p>Tag und Nacht Wind, seit Tagen und ein Schweizer P\u00e4rchen, die mit dem Wohnmobil von Feuerland kommen, sagen uns, dass es so bleiben w\u00fcrde,\u00a0Wind jeden Tag. Patagonien ist eine der windigsten Ecken der Welt, besonders im Sommer, also ab Dezember. Aber da Argentinien derzeit die hei\u00dfesten Tage seit Jahren erlebt, kommt der Nordwestwind sehr warm daher. Ungew\u00f6hnlich warm f\u00fcr diese Jahreszeit.<\/p>\n<p>Wir sind wieder auf der Ruta 40, eine der gro\u00dfen Stra\u00dfen S\u00fcdamerikas, die sich durch ganz Argentinien von Nord nach S\u00fcd durchs ganze Land zieht. Vorbei an Rinderherden, durch die Steppe, immer wieder Pappelreihen, die als Windfl\u00fcchter gepflanzt werden, niedriges Buschwerk wechselt sich mit hellgr\u00fcnen B\u00e4umen an Flussl\u00e4ufen ab, kurzes, festes Gras \u2013 bestes Futter f\u00fcr die dunkelbraunen Rinder, die hier auf den endlosen Weiden stehen. Es ist Steppe, aber es gibt \u00fcberall Wasser.In T\u00fcmpeln mitten auf den Weiden zartrosa Flamingos, hunderte von Kilometern vom Atlantik und Pazifik entfernt. Dazwischen Wildg\u00e4nse und mit gro\u00dfen Schritten \u00fcber das Buschgras flitzende Nandus, eine Strau\u00dfenart.\u00a0Erstaunlich, wir durchqueren karge Steppe, kaum B\u00e4ume und Str\u00e4ucher und dann wieder Wasserl\u00e4ufe, sumpfige Fl\u00e4chen, weidende Pferde, Guanacos, sogar Stinktiere kreuzen unseren Weg.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst eint\u00f6nig, hat diese Landschaft etwas Gro\u00dfartiges. Die Hochebenen werden immer wieder von H\u00fcgelketten am Horizont begrenzt und die immer wieder schneebedeckten Andengipfel begleiten uns seit Tagen auf der rechten Seite auf unserem Weg in den S\u00fcden nach Feuerland.\u00a0Und der Himmel! Bizarr geformte Wolkenfetzen, lange Streifen, scharf ausgezackte Wolkengebilde, die der Nordwind immer wieder neu an den Himmel zaubert. Manche Berggipfel umkr\u00e4nzt von dunkeln Wolken, aber Regen &#8211; Fehlanzeige!<\/p>\n<p>In einer Senke liegt eine gro\u00dfe Estancia, eine dieser Schaffarmeen, die Tiere wie kleine wei\u00dfe Flecken in der Ferne auf sattgr\u00fcnem Teppich.\u00a0Hat schon fast etwas Meditatives, genau das sagt auch einer unserer G\u00e4ste, als ich ihn frage, wie es sich denn so anf\u00fchlt, wochenlang durch S\u00fcdamerika von der Maracaibo See am Golf von Mexiko durch Kolumbien, Ecuador, Peru und die Atacamaw\u00fcste in Chile bis tief nach Argentinien hinein zu reisen. Meine erste Busreise, sagt er, ganz Individualist und erf\u00fcllt sich einen\u00a0 Traum, einmal durch ganz S\u00fcdamerika zu reisen. Die manchmal auch langen Tage im Bus sind f\u00fcr ihn schon eher Meditation, manchmal passiert einfach gar nichts besonderes, Landschaften ziehen an den\u00a0 gro\u00dfen Panoramafenstern vorbei, einfach zur\u00fccklehnen, zuschauen, ein Buch lesen, vor sich hin tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Einfach leben, wie ein Argentinier am Stra\u00dfenrand sitzend auf die Frage antwortet, ob er da auf jemanden wartet. Nein, ich warte nicht, ich lebe, sagt er.<\/p>\n<p>Faszinierend, diese trockene Steppe, die so aussieht, als w\u00fcrde es hier so wenig regnen wie in der Atacamaw\u00fcste und dann schl\u00e4ngelt sich unversehens ein Bach mit glasklarem Wasser zwischen dem kurzen Steppengras hindurch.\u00a0Die Stra\u00dfe ist gut, meistens jedenfalls. Asphaltiert, kaum Schlagl\u00f6cher und dann fehlt auf einmal ein St\u00fcck und wir fahren 120 Kilometer Schotterpiste. Damit die Steine nicht zu stark in den Radk\u00e4sten schlagen, f\u00e4hrt Christian leicht versetzt auf dem etwas angeschobenen Schotter und der Bus driftet etwas sanfter \u00fcber den Untergrund, dazu kommt der Seitenwind mit 5 &#8211; 7 Windst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Ab\u00a0 und zu kleine Stra\u00dfend\u00f6rfer, wei\u00dfgekalkte H\u00e4user, bunte Werbung drauf, am Ortseingang meist ein Checkpoint der Polizei, wir werden meist durchgewinkt, aber kontrolliert wird hier viel. Klassische Anzeichen ehemaliger oder immer noch Polizeistaaten.<\/p>\n<p>Die regelm\u00e4\u00dfig in den Asphalt eingelassenen Schwellen erinnern jeden Autofahrer daran, nicht zu schnell zu fahren, die tiefen Furchen jedoch im Belag hinter den Schwellen zeigen mir, dass Karosseriebauer hier genug zu tun haben.\u00a0Verlaufen kann ich mich nie in den Orten, alle Stra\u00dfen verlaufen im rechten Winkel, viele Grundst\u00fccke vergittert, viele im Rohbau, \u00fcberhaupt wird viel gebaut, in den letzten Jahren sind viele Zuwanderer gekommen,\u00a0So viele unterschiedliche Landschaften wie auf dieser Reise durch S\u00fcdamerika h\u00e4tte sie noch nie gesehen, sagt Heidi, die schon durch China mit dem Bus gereist ist.<\/p>\n<p>Cuevas de los Manos, H\u00f6hlenmalereien in einem Canyon, 30 Kilometer abseits der Ruta 40, pr\u00e4historisch, interessant, aber nicht spektakul\u00e4r, denke ich. Aber dann! Der Weg dorthin, tiefe Canyons, lichtdurchflutete Schluchten, Guanoacos und Endus verstecken sich gut im Buschwerk, Condore schweben majest\u00e4tisch \u00fcber der Steppe. Dazu die Dramaturgie von Wolkenformationen mit seinen st\u00e4ndig wechselnden Bildern bis zu 5000m hoch. Nach einer Stunde Schotterpiste \u00f6ffnet sich der Blick in einen tiefen Canyon, der Boden tiefgr\u00fcn, zwischen sattgr\u00fcnen Weiden windet sich ein Flusslauf\u2026200 m hohe Felsw\u00e4nde an denen wir entlanggehen\u2026.<\/p>\n<p>Andres beschreibt uns immer wieder Fauna und Flora, eine klassische Reiseleiter Vita, er Argentinier, der im Norden Brasiliens lebt, einige Jahre in Deutschland verbracht hat, so flie\u00dfend Deutsch spricht, dass man ihn f\u00fcr einen Mannheimer Jungen h\u00e4lt, in Spanien eine Ausbildung zum Reiseleiter gemacht hat und scheinbar \u00fcberall in S\u00fcdamerika zuhause ist.<\/p>\n<p>So ein Trip ist wirklich ein Roadmovie, alle verwachsen ein wenig mit der Stra\u00dfe, Christian und Hans-Peter haben einen guten Blick f\u00fcr sch\u00f6ne und geeignete Picknickpl\u00e4tze, windgesch\u00fctzte, am besten dazu leicht h\u00fcgelige Landschaft, die auch einen diskreten Toilettengang erlaubt.<\/p>\n<p>In einer langgezogenen Kurve, endlich etwas windgesch\u00fctzt, Picknickstopp. Wir bleiben nicht lang allein, eines dieser so niedlich aussehenden Guanoacos, den Lamas verwandt, interessiert sich f\u00fcr unser Buffet. Alle z\u00fccken die Kameras, das Guanaco sieht s\u00fc\u00df aus mit seinen Blinzel\u00e4uglein, wird dann zusehends frecher und schubst den einen oder anderen von uns hinterr\u00fccks, um an die herrlich duftende Wurst und den leckeren K\u00e4se zu kommen. Es l\u00e4sst sich kurzzeitig durch ausholende Bewegungen mit ge\u00f6ffneten Armen verscheuchen, aber nicht wirklich entmutigen. Sucht sich immer neue Opfer, die etwas au\u00dferhalb der Gruppe am Bus stehen um diese dann hinterr\u00fccks freundschaftlich zu attackieren, mal am Kragen zu zupfen oder einfach mal mit einem schnellen Ausfallschritt zu knuffen. Begegnung mit s\u00fcdamerikanischer Tierwelt der besonderen Art.<\/p>\n<p>Wider Erwarten kommen wir schnell voran, die Stra\u00dfenkarte weist Schotterpisten aus, die seit einiger Zeit asphaltiert sind, die Ausschilderung ist dann aber doch so italienisch, dass wir ohne es zu ahnen einen Umweg fahren, das sind dann mal eben 100 Kilometer. \u00a0Alle haben ihre Stra\u00dfenkarten vor sich, mit bunten Eddingstiften ziehen sie Linien \u00fcber Patagonien, Navigationsger\u00e4te funktionieren nur bedingt, manche lesen ihre Tageszeitung, die sie am Abend vorher aus dem Netz runtergeladen und als pdf abgespeichert haben.\u00a0Lazy Sunday afternoon im Bus\u2026\u2026<\/p>\n<p>Zwei unglaublich sch\u00f6ne Tage liegen hinter uns. Um an die Orte in den Anden zu gelangen, die soviel spektakul\u00e4re Natur bieten, haben wir viele Kilometer durch die patagonische Steppe zur\u00fcckgelegt. Und nicht nur auf asphaltierten Stra\u00dfen sondern auch auf endlosen Schotterpisten. Die Stra\u00dfe hat einen Namen, der den Klang einer s\u00fcdamerikanischen Route 66 hat \u2013 Ruta Nacional 40, \u00fcber 5200km lang, l\u00e4ngste Fernstra\u00dfe S\u00fcdamerikas neben der Panamericana, die teilweise auf der Ruta 40 verl\u00e4uft. Von den Anden aus verl\u00e4uft sie durch den gesamten Westen Argentiniens bis nach Rio Gallegos am S\u00fcdatlantik.<\/p>\n<p>Vorgestern also den ganzen Tag durch die Steppe mit einem Abstecher nach Cuevas de los Manos zu den H\u00f6hlenmalereien und sp\u00e4t abends rollen wir im roten Bus im untergehenden Licht der Sonne und dramatische Wolkenbildern vor der Andensilhouette nach El Chalt\u00e9n.<\/p>\n<p>Viele junge Leute, Outdoorfreaks, Fleecejacken, Patagonia Klamotten, Cargohosen und i-phones auf dem Tisch. Vor 15 Jahren kaum 50 Einwohner, heute weit \u00fcber tausend, Tendenz steigend.\u00a0Ein Stra\u00dfendorf am Ende eines Andenhochtals mit spektakul\u00e4ren Gebirgsmassiven. Die Saison beginnt gerade, es wird Sommer, Wanderer und Kletterer auf der Suche nach noch weitgehend unber\u00fchrter Natur.\u00a0Nur 400m hoch, wird es nachts empfindlich kalt, der Westwind weckt uns auch mal mitten in der Nacht, am Morgen stahlblauer Himmel, glasklare Luft und die Vorfreude auf eine Wanderung mit Blick auf einen der sch\u00f6nsten Berge der Welt, den Cerro Torre und den Fitzroy.\u00a01 \u00bd Stunden geht es durch Wald mit umgest\u00fcrzten B\u00e4umen, knorrigen \u00c4sten, bl\u00fchenden B\u00fcschen, Steppenpflanzen und \u00fcber kleine B\u00e4che bis sich vor unseren Augen ein unglaublich sch\u00f6nes Panorama entfaltet \u2013 der Monte Fitzroy mit seinen \u00fcber 3400 m hohen Felsnadeln, die beinahe senkrecht aus einem Hochtal in den Andenhimmel ragen. Schneefahnen lassen den Sturm erahnen, der dort oben herrscht, immer nur f\u00fcr kurze Zeit verstellen schnell ziehende Wolken den Blick auf das ganze Massiv.<\/p>\n<p>Nach einem sehr langen Fahrtag eine wirkliche Belohnung f\u00fcr alle Sinne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Busreisen sind spannend und diese ganz besonders. 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