{"id":1734,"date":"2013-10-14T09:11:32","date_gmt":"2013-10-14T07:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=1734"},"modified":"2018-05-22T09:24:36","modified_gmt":"2018-05-22T07:24:36","slug":"kolumbien-zuruck-zum-roten-bus-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.busweltreise.de\/?p=1734","title":{"rendered":"Kolumbien &#8211; Zur\u00fcck zum roten Bus Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leute,<\/p>\n<p>Noch habe ich den Bus nicht gesehen. Aber er ist da. Und die Zolleinfuhr hab ich schon hinter mir! Ging nur einen Tag. Morgen, am Samstag, folgt der Rest. Den Bus meine ich nat\u00fcrlich!<\/p>\n<p>Am Freitag um zehn holt mich Ramon, der Mensch, der sich um die Zollformalit\u00e4ten k\u00fcmmern soll, und den ich hier lieber anders nenne, im Hotel ab. Da Freitag ist, d\u00fcrfen keine Motorr\u00e4der und Mopeds auf den Stra\u00dfen Cartagenas fahren, im Rathaus glaubt man, dadurch dem Verkehrschaos Herr werden zu k\u00f6nnen. W\u00e4hrend wir uns eine gute Stunde die sechs Kilometer zu seinem B\u00fcro qu\u00e4len, erkl\u00e4rt mir Ramon ausf\u00fchrlich die Ineffizienz und das Chaos im innerst\u00e4dtischen Transportwesen. Einen geordneten Nahverkehr gibt es nicht, es sind gr\u00f6\u00dftenteils klapprige Midibusse, welche die Stra\u00dfe wie auch im Orient entlang zu d\u00fcsen versuchen und auf Zuruf anhalten. Wenn sie d\u00fcsen k\u00f6nnten \u2026 Sie stehen n\u00e4mlich wie alle anderen in Stau und Gedr\u00e4nge. Weil das Ganze so wenig bringt, gibt es viele Moped- und Motorradfahrer, die gegen Bezahlung Leute mitnehmen und mit ihren Fahrzeugen die L\u00fccken nutzen. Der Stadtverwaltung passt dies aber nicht, und so gibt es freitags ein Fahrverbot f\u00fcr Mopeds, Motorroller und Motorr\u00e4der. Eine seltsame Logik. Und wieso am Freitag, weiss auch kein Mensch. Die Folge ist, dass freitags noch mehr Leute mit Auto und Taxi unterwegs sind und das Chaos perfektionieren.<\/p>\n<p>Endlich in Ramons B\u00fcro in Hafenn\u00e4he angekommen, sind viele Unterschriften zu leisten, bevor wir zusammen mit seiner Frau Elvira zum Zollgel\u00e4nde fahren. Ramon parkt drau\u00dfen vor dem Tor, w\u00e4hrend ich Elvira folge. Und dann geht dann die Warterei los! Erst wird eine Passkopie gemacht, dann wird ein Besucherausweis ausgestellt \u2013 Dauer eine gef\u00fchlte Stunde. Warten im ersten B\u00fcro, w\u00e4hrend Elvira Formulare abstempeln l\u00e4sst, die ich dann unterschrieben muss, Warten im n\u00e4chsten, wieder eine Unterschrift. Drei Stunden. Gef\u00fchlt. Aber es ist erst zw\u00f6lf. Dann geht es raus, mit dem Auto durch den Hafen und zum n\u00e4chsten abgesperrten Gel\u00e4nde. Wieder Passkopie, warten, Besucherausweis, warten. Vierte Stunde.<\/p>\n<p>Mein Blick schweift aus dem Fenster: Ein riesiger Leguan, mit seinem gezackten R\u00fccken und dem gut eineinhalb Meter langen Schwanz unheimlich wie ein Drache, schiebt sich durch die Hecke, die den Parkplatz begrenzt auf uns zu, klettert z\u00fcngelnd und beh\u00e4nde einen Baum hoch und verschwindet auf dem Dach des Geb\u00e4udes. Nicht nur deswegen bin ich froh, im klimatisierten Amt zu sitzen, denn Cartagena liegt in den Tropen. Momentan ist Regenzeit. Was bedeutet, dass es hier mittags und oft gegen Abend etwa eine Stunde lang wie aus K\u00fcbeln sch\u00fcttet und heftigst gewittert. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter scheint aber schon wieder die Sonne und bringt alles zum Dampfen. Und wie! Die extreme Luftfeuchtigkeit und die Hitze der Tropensonne machen aus Cartagena eine Sauna.<\/p>\n<p>Wie viele Menschen in der Stadt tragen auch hier viele Zollbeamten und Hafenangestellten ein Fu\u00dfballtrikot. Um 16 Uhr beginnt das WM Qualifikationsspiel zwischen Kolumbien und Chile. Deshalb also. Das heisst aber auch, dass heute ab 16 Uhr kein Mensch mehr arbeitet. Und wir warten immer noch, w\u00e4hrend Elvira telefoniert, dann wieder einen Beamten belagert, und wieder telefoniert. Ich soll jetzt raus zu Ramon, bedeutet sie mir, in die Caf\u00e9teria, in der es alles au\u00dfer Kaffee gibt. Dort warte ich nun mit Ramon. Er ist Ende vierzig, hat mit Elvira zusammen f\u00fcnf Jungs zwischen 16 und 27, und er erz\u00e4hlt vom Leben hier. Von der Korruption, von Vertreibungen der Landbev\u00f6lkerung durch Todesschwadronen, den wirtschaftlichen Ballungsr\u00e4umen, der schieren Unm\u00f6glichkeit, mit ehrlicher Arbeit ein Auskommen zu bestreiten. Ein sp\u00e4terer Blick auf Wikipedia best\u00e4tigt seine Schilderungen\u2026<\/p>\n<p>Elvira erscheint schlie\u00dflich, es ist nun halb vier. Wir m\u00fcssen zum Ausgang des Zollhofs gehen und dort warten, es gilt den Zollbeamten, der die finalen Unterschriften auf die Dokumente leisten soll, abzupassen. Eigentlich m\u00fcsste er einen Blick auf den Bus werfen, die Fahrgestellnummer kontrollieren, die Gep\u00e4ckr\u00e4ume, den Innenraum. Dass er das nicht machen w\u00fcrde, m\u00fcssen Ramon und Elvira jedoch geahnt haben. Denn nun erscheint einer der Hafenarbeiter, der den Bus geparkt hat, mit seinem Handy und zeigt uns Fotos auf dem Display. Ja, es ist mein Bus. Immer wieder sehe ich mir die winzigen Bilder an. Mittlerweile hat das L\u00e4nderspiel begonnen, wie wir am entt\u00e4uschten Geschrei h\u00f6ren, als das erste Tor f\u00fcr Chile f\u00e4llt. Endlich kommt der Z\u00f6llner, sieht sich die Bilder fl\u00fcchtig an, studiert meinen Pass, fragt, ob ich auch Bilder von dem Bus habe und l\u00e4sst sich die Bilder auf meinem Handy zeigen, die ich noch in China gemacht hatte. Das wieder einsetzende Gebr\u00fcll der Fans im Hintergrund \u00fcberzeugt ihn, dass es sich um den gleichen Bus handelt. Ohne pers\u00f6nliche Kontrolle setzt er seine Unterschriften unter die ganzen Formulare. Geschafft. Die Zollformalit\u00e4ten sind erledigt. Der Rest kommt morgen dran. Den Bus sehe ich heute deshalb noch nicht. Wir m\u00fcssen nur noch im B\u00fcro Formulare kopieren. Und unterschreiben. Und au\u00dferdem ruft der Fernseher.<\/p>\n<p>Auf den ganzen Fahrten, die Ramon heute mit uns gemacht hatte, war er ausgesprochen tr\u00e4ge und defensiv gefahren. Jetzt aber ist er verwandelt: Er dr\u00e4ngelt und hupt, schneidet die Kurven, die Stimme des Sportreporters im Autoradio \u00fcberschl\u00e4gt sich, er f\u00e4hrt \u00fcber den B\u00fcrgersteig, um an der Ampel die Pole Position einzunehmen, fliegt \u00fcber die Schwellen, die den Verkehr abbremsen sollen, dass ich mir den Kopf ansto\u00dfe. So sind wir schnell bei seinem B\u00fcro. V\u00f6llig abwesend st\u00f6\u00dft er die T\u00fcr zur benachbarten Kneipe auf, in der es wieder br\u00fcllt \u2013 und ist verschwunden. Drei zu Null f\u00fcr Chile. Welche Schmach. Elvira runzelt die Stirn, macht sich an die Arbeit und ich unterschreibe. Eigentlich wollte mich Ramon noch zur\u00fcck ins Hotel bringen. Das lassen wir lieber, ich nehme ein Taxi. Das Spiel ging \u00fcbrigens doch noch drei zu drei aus! Ramons mentale Unterst\u00fctzung muss der Grund gewesen sein. Den Bus habe ich aber immer noch nicht in echt gesehen. Aber er ist da.<\/p>\n<p>Bis morgen!<\/p>\n<p>Hans-Peter<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leute, Noch habe ich den Bus nicht gesehen. Aber er ist da. Und die Zolleinfuhr hab ich schon hinter mir! Ging nur einen Tag. Morgen, am Samstag, folgt der Rest. Den Bus meine ich nat\u00fcrlich! 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