Liebe Leute,

Beitrag von Hans-Peter

das große Abenteuer ist nun vorbei. Vergangenen Freitag habe ich den Weltreise-Bus im Hafen von Zarate, etwa 90 km von Buenos Aires entfernt, abgestellt. Von hier wird das gute Stück in diesen Tagen nach Hamburg verschifft. Anfang Februar soll der Setra dort ankommen.

Mittlerweile halte ich mich in Tavira auf, einem kleinen Städtchen an Portugals östlicher Algarve. Ich möchte mich etwas erholen von den Anstrengungen und Aufregungen der vergangenen neun Monate und etwas durchatmen. Aufregend war es ja schon, bevor diese Reise überhaupt begann.

All die Vorbereitungen, die Nervosität vor dem Start und die ständige Ungewissheit, wie alles ausgehen würde, ja, ob wir es überhaupt zu Ende bringen würden und wenn, wie. Das alles war mit einem Wort: Aufregend! Nun ist es aus und vorbei.

Jetzt bin ich wieder in Europa und ich genieße es. Nach dem Abschluss der Durchquerung von Eurasien auf der Seidenstraße bis nach Shanghai waren Ina und ich am 10. Juli letzten Jahres in Seattle/USA gelandet und hatten seitdem gute 38.000 Kilometern auf dem amerikanischen Kontinent zurückgelegt. Durch Alaska und Kanada auf dem Alaskan Highway, durch Montana, Wyoming, Utah, Arizona, Nevada und California hinunter zur mexikanischen Grenze bei San Diego und Tijuana durch den klassischen „Wilden Westen“. Mexiko dann, eine völlig andere Kultur mit seinen freundlichen Menschen und wunderschönen Kolonialstädten. Ein Land mit offenen Armen. Mir viel näher, vertrauter, menschlich wärmer und anheimelnder als „Amerika“. Ein Farbenrausch in Guatemala – die bunt gekleideten Indigenas, die farbenfrohen Busse. Die großartigen Mayastätten! Vulkane! Seen! Und immer wieder Kolonialstädte wie im Bilderbuch. Die Spuren der Bürgerkriege in Honduras und El Salvador.

Schließlich Nicaragua, immer noch unter den Folgen der durch die USA finanzierten Mörder- und Contras-Banden leidend. Sandinisten, die nun korrumpiert sind von der Macht. Alles so präsent – und die Menschen, die sich nur nach einem sehnen: nach Frieden, einem Ende der Gewalt und des Leidens. Und immer, egal wo wir sind, die Leute, die uns so freundlich und liebenswürdig empfangen!

In Kolumbien endlich wieder am Steuer des eigenen Busses, die Anden hoch- und hinunterbretternd, LKWs überholend, durch Nebel- und Regenwald, mal auf 4000 m Höhe in gleißender Sonne, dann wieder tief unten in der Feuchte des Tropendschungels. Keinerlei Spur einer Bedrohung, obwohl doch Kolumbien den schlechtesten Ruf genießt. Die nettesten Menschen! Ecuador, Äquator, unendliche Kurvenräuberei in den Anden und im Amazonastiefland!

Auf einmal gute Straßen, der Diesel für 20 Cents/Liter! Und immer wieder diese wunderschönen Kolonialstädte. Peru: die ersten Pinguine, Seelöwen, Zauber des Pazifiks! Lima, die Wüsten, die Nasca-Linien, viel Armut, aber die beste Küche Amerikas! Pisco Sour!

In Chile dann: Man wähnt sich in Europa, zumindest was den Verkehr betrifft. Ein Zebrastreifen ist plötzlich ein Zebrastreifen, ein Rot an der Ampel bedeutet anzuhalten und gilt nicht als Empfehlung, die Hupe zu einzusetzen, um sich den Weg durch das Chaos zu bahnen. Die großartigste Wüste der Welt, die Atacama. Die Hauptstadt Santiago, die mich an Mailand erinnert, durch ihre Gerüche, Bars, Restaurants, die Vegetation.

Schließlich die Vulkane im Süden, die Tage, die länger werden, denn hier ist Sommer und der Äquator schon wieder ganz weit weg. Das Gefühl, immer am falschen Platz zu sitzen, wenn man den Schatten sucht, denn die Sonne steht mittags im Norden und wandert garantiert dort hin, wo man sich eben noch sicher vor ihr fühlte. Komplettes Durcheinander, was die Orientierung betrifft.

Argentinien, noch europäischer, aber hier ist dennoch das Paradies, wenn man fahren will: Einmal begegnen uns auf einer Strecke von rund 700 Kilometern ganze zwei Autos! Und ein LKW, ein uralter Mercedes Rundhauber aus den Sechzigern, muss ich fairerhalber zugeben. So geht das Tag für Tag. Nur noch Landschaft. Sonst gar nichts mehr. Das menschenleere Alaska scheint da zumindest im Vergleich zu Patagonien und der Ruta 40 fast dicht besiedelt. Pampa, endlos, wellig, oft Piste, aber mit grandiosen Panoramen, wenn wir uns den Anden nähern. Mount Fitzroy, der Gletscher Perito Moreno – fünf Monate sind vergangen, dass wir wie am Portage Gletscher in Alaska, wo wir gestartet sind, das Kalben eines Gletschers erleben, ebenfalls von einem Boot aus, das einen Gletschersee befährt.

Déjà vu. Und schließlich die Querung der Magellanstraße, keine 300 Kilometer später die Euphorie, Ushuaia, die südlichste Stadt, das „Ende der Welt“ erreicht zu haben. Unser Ziel.

Das alles war grandios und ist noch kaum zu fassen. Und ich bin immer noch unendlich dankbar, dass alles so gut gegangen ist. Aber was hat mich am meisten beeindruckt? Was den nordamerikanischen Kontinent betrifft, würde ich sagen: Alaska. Alles noch im Aufbruch. Der Goldrausch und die teilweise Erschließung des riesigen Landes liegen ja gerade mal gute hundert Jahre zurück. Entsprechend improvisiert ist alles, aber auf eine sympathische Art. Nur Landschaft und kaum Menschen. Das Gleiche übrigens am anderen Ende des Kontinents, 30.000 km weiter südlich in Feuerland: Die gleichen Holzhäuser, die gleiche Unfertigkeit, die gleiche Aufbruchsstimmung, eine ähnliche Einsamkeit.

In Mittel- und Südamerika hat mich alles beeindruckt. Alles. Ein Traum, hier unterwegs sein zu dürfen, ein komplett neuer Blick auf die Welt stellt sich ein. Ich könnte die Tour sofort noch einmal machen.

Was die Seidenstraße angeht, da packt mich jetzt schon wieder das Heimweh nach dem Orient. Nach Persien komme ich zum Glück ja schon im Mai wieder, wenn wir nach Isfahan, Shiraz, Yazd und Täbriz fahren. Ein Heimspiel.

Mental bin ich sofort da und freue mich darauf. Ein paar freie Plätze gibt es übrigens noch. Aber auch nach Buchara, Samarkand, in die Schwarze Gobi, an den Gelben Fluss, nach China werde ich wieder kommen, vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr. Das alles ist nach dieser dritten Tour nun doch sehr vertraut.

Aber Alaska, Mittel- und vor allem Südamerika höre ich ganz laut rufen:

Komm! Komm wieder!

In diesem Sinne ein letzter Blog-Gruß von der Algarve an alle Leserinnen und Leser

Hans-Peter

PS: Ich wollte eigentlich noch schreiben, wieso ich an die Algarve gekommen bin: Weil es hier im Winter so wunderbar leer ist und angenehmste Temperaturen herrschen für entspannte Tage unter südlichem Licht – und dass ich schon in zwei Monaten, nämlich im März mit dem Bus mit einigen von Euch hier her, nach Portugal fahre, falls Ihr gebucht habt! Neben Porto und Lissabon auch nach Tavira, wo ich mich derzeit aufhalte. Dann kann ich ja noch ein bisschen erzählen, wie es auf der Weltreise war, wenn es Euch interessiert. Und Euch vorschwärmen von der “Reise meines Lebens“.

Diesen Ausdruck hat übrigens Hilde geprägt. Hilde aus Nordrhein-Westfalen, die die ganze Reise mitgemacht hat von Freiburg nach Feuerland, und die jetzt mit dem Schiff von Buenos Aires nach Hamburg fährt. Weil sie ebenfalls nicht genug kriegen kann von der Welt!

2 comments to Liebe Leute,

  1. Ingeborg sagt:

    Hallo Hans-Peter!
    Ein tolles Resümee der wunderbaren Reise!
    Ja, wir haben die Portugalreise im März gebucht und freuen uns schon riesig darauf!!
    Wir sind natürlich sehr gespannt auf weitere Berichte von dem “Abenteuer”!
    Gute Erholung und Entspannung!
    Ingeborg

  2. Einfach umwerfend! Auch die Juni-Portugal-Reisenden freuen sich noch über Reise-meines-Lebens-Berichte!!! Aber zuvor gibt’s ja noch den Stammtisch am 7. und den Weltreise-Vortrag am 8. Februar in Freiburg. Darauf freu’n wir uns sehr…
    Wie schade, dass wir den roten Riesen nicht auf der Überfahrt “begleiten” können.
    Alles Gute weiterhin wünscht
    Sigrid

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