Das Ende naht fürs Nähkästchen

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich sitze in einem superschönen Hotelzimmer in Puerto Varas am Lago Llanquihue, vom Bett aus sehe ich auf die Weiße Spitze des Vulkans Osorno, der zweite – näher gelegene – Vulkan Puntiagudo hüllt sich in Wolken. Es ist wie in Luzern, da versteckt sich der Pilatus ja auch öfter. Aber bei Sonnenuntergang haben sich die beiden Vulkane in ganzer Pracht gezeigt, der Osorno ganz in Weiß (noch schöner als der Fujiamo) und der Puntiagudo gleicht tatsächlich ein bisschen dem Pilatus. Das Klima und die Landschaft hier erinnert stark an die Innerschweiz, Seen und Berge wechseln sich ab. Saftig grüne Wiesen, viel Landwirtschaft  und an den Ufern der Seen nette Ferienorte. Deshalb wohl auch der Name „Chilenische Schweiz“. Anschließend sehen wir uns dann die „Argentinische Schweiz“ an, ich bin gespannt, ob’s auch zutrifft.

Am Mittwoch verlassen wir nämlich Chile und passieren zum letzten Mal eine Grenze, Argentinien – unser letztes Reiseland naht in Windeseile und damit auch das Ende unseres großen Abenteuers Panamericana. Zeit also ein bisschen zurück zu blicken.

Die Panamericana
Seit La Serena, kurz vor dem 30. Breitengrad – jetzt sind wir bei etwas über 41 Grad süd – ist die Panamericana eine echte 4-spurige Autobahn. Vorher war sie das oft nur gerade bei den Einfahrten in die großen Städte – und kostet dann auch Peaje (Maut). In Mittelamerika (ich bin „erst“ in Mexico City zugestiegen) ist sie meist nur „gewöhnliche“ Straße, allerdings geteert und meist auch recht gut ausgebaut. Oft ist sie die einzige befestigte Straße in weitem Umkreis. Der Rest besteht aus Pisten. Durch die Ortschaften wird man dann alle paar Meter von „liegenden Polizisten“ (Erhöhungen) abgebremst, was dem Vorankommen natürlich nicht gerade förderlich ist. Dafür konnten wir das jeweilige Dorfleben ausgiebig bewundern. Marktfrauen, Polizisten, Schulkindern alle winkten uns zu und wir zurück. Außer bei den Einfahrten vor großen Ortschaften/Städten ist der Verkehr recht gering. Sehr viele Lastwagen sind unterwegs, vor alle in der Nähe von Häfen sahen wir Riesenbrummis en masse. Die mit den großen Kühlern und den „Kaminen“ haben uns am meisten begeistert. Der Privatverkehr hält sich hingegen über Land sehr in Grenzen. Staus erlebten wir höchsten an Baustellen. Bref: Der Weg – die Panamericana eben – war unser Ziel. Und der führte uns durch die mannigfaltigsten

Landschaften
In Mittelamerika haben uns natürlich die Kulturdenkmäler tief beindruckt, aber auch die herrlichen Landschaften und das tropische Wetter haben uns erfreut. Fast tägliche Regengüsse konnten uns nichts anhaben, denn sobald wir zu Fuß unterwegs waren, hatte Petrus ein Einsehen und die Schirme konnten geschont werden. Ein einzig Mal (in Mexico City) wurden wir alle klitschnass auf dem kurzen Weg vom Anthropologischen Museum zum Bus.

Das Wetter wurde tropischer je näher wir dem Atlantik kamen. Temperaturen von über 30 Grad und Luftfeuchtigkeit von fast 100% wurden zur Regel (und manchmal zur Qual) und bescherten uns (Ur)wälder in allen nur erdenklichen Grüntönen und Blumen in den sattesten Farben. Umwerfend!!

In Südamerika wurde das Klima zunehmend Trockener. In La Loja, unserer letzten Station in Ecuador, sahen wir die letzten Regentropfen, das war am 9.November (vor über 4 Wochen also). Dann fuhren wir durch ganz Peru und in Chile bis Valparaiso nur noch durch Wüsten. Sandwüsten, Steinwüsten, Felswüsten, Alles-gemischt-Wüsten. In allen nur erdenklichen Wüstenfarben, einfach hinreißend. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist halt einfach schöööön.
Der Süden Chiles beschert uns nun wieder sattes Grün, kühleres Wetter (wie bei uns an einem schönen Junitag) und längere Tage. Kurz nach 6 Uhr geht die Sonne auf und nachts um 22h ist es noch immer nicht ganz dunkel. Die Rosen blühen als ob’s verboten würde. Kirschen und Erdbeeren sind reif. Kartoffeln blühen und das Korn steht stramm auf den Feldern. Und bis wir dann ganz im Süden sind werden die Tage noch länger. Soviel um Euch ein bisschen neidisch zu machen!!

Nächste Woche mehr, dann aus unserem letzten Land, aus Argentinien. Bis dahin seid alle ganz herzlich gegrüßt,

hasta luego
Heidi

One comment to Das Ende naht fürs Nähkästchen

  1. Friderun-Estella Korthaus sagt:

    Dem Schreiber und der Schreiberin,
    die immer wieder Zeit von der Reise abgezwackt
    und Nähkästle und Werkzeugtäschle ausgepackt,
    ich von Herzen dankbar bin.
    Dies schreibe ich hier hin
    sicher auch im Sinn
    von allen andern,
    deren Augen über Texte, Bilder wandern.

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